Muwahidun
Muslimische Jugendgruppe in München

Was ist Islam? Dimensionen des Islam

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Artikel zum Lesen:

Der Islam wird durch den Koran und dessen Auslegung definiert.

Priorität hat dabei die Auslegung und die Praxis des Propheten Muhammad ( Friede und Segen sei mit Ihm), überliefert in der sog. Sunnah ( dies sind überlieferte Aussprüche des Propheten die aber nicht Teil des Koran sind).

  1. Der Kern der Botschaft

Der Koran widmet sich etwa zu einem Drittel dem Fundament und Kern der Botschaft:

Er gibt uns Antworten auf die „großen Fragen“:

  • Woher kommen wir?

Und Wir haben euch ja erschaffen. Hierauf haben Wir euch gestaltet. … Sure 7:11

Denken sie denn nicht in ihrem Inneren (darüber) nach? Allah hat die Himmel und die Erde und was dazwischen ist nur in Wahrheit und (auf) eine festgesetzte Frist erschaffen. Aber viele von den Menschen verleugnen fürwahr die Begegnung mit ihrem Herrn. Sure 30:8

(Er,) Der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht. Und Er ist der Allmächtige und Allvergebende. Sure 67:2

  • Wohin gehen wir?

Er ist der Erhabene über alle Rangstufen, Inhaber der höchsten Herrschaft. Er läßt die Eingebung nach Seinem Befehl und in Seinem Auftrag dem zukommen, dem Er will, damit Er die Menschen vor dem Tag der Begegnung warne, dem Gerichtstag, an dem sie alle so hervortreten, daß nichts an ihnen vor Gott verborgen bleibt. „Wem gehört die Herrschaft heute?“ „Sie gehört allein Gott, dem Einen, dem Allgewaltigen.“ An diesem Tag wird jedem genau das vergolten, was er getan hat. An diesem Tag gibt es keine Ungerechtigkeit. Gott rechnet schnell ab.

Er legt die metaphysische Weltsicht in sechs einfachen Prinzipien fest ( auch sechs Glaubensartikel genannt):

  1. Der Glaube an nur einen einzigen transzendenten Gott jenseits der physischen Erfahrung und Messbarkeit
    Allerdings bringt der Koran uns Gott näher, indem er ihn mit vielfachen Namen und Attributen beschreibt, mit denen wir mit Gott in Beziehung treten können und sollen. (Die berühmten 99 Namen Allahs)
  2. Glaube an die Engel
  3. Glaube an die Propheten
    Gott hat die Menschheit auf Ihrer Reise zur Vervollkommnung niemals alleine gelassen und die Entwicklung der Menschheit durch Propheten und Gesandte begleitet und ihnen Instrumente gelehrt mit denen Sie ihr Herz, Verstand und Körper bessern können.
    Laut einem Ausspruch des Propheten wurden 126000 Propheten an die Menschheit gesandt.
  4. Glaube an die Schriften
    Ab einem bestimmten Reifegrad der Menschheit sandte Gott auch Schriften herab, die über einen längeren Zeitraum als die Propheten wirkten. Der Koran erwähnt die Schriften von
    – Ibrahim (Abraham)
    – Musa (Moses)
    – Dawud (David)
    – Isa (Jesus)
    – Muhammad
  5. Der Glaube an den jüngsten Tag
  6. Die Vorherbestimmung Gottes in Gutem und Schlechtem

    2. Die Gottesdienste – Instrumente zur Reinigung des Herzens

Der Koran und vor allem der Prophet lehrt uns einige regelmäßige Praktiken, die unserem Heil im Diesseits und Jenseits sichern sollen. Sie dienen vor allem der Reinigung des Herzens sowie der Förderung und Wahrung der sozialen Beziehungen und der Solidarität unter den Menschen.

  1. Das fünfmalige Gebet
  2. Die reinigende Abgabe (Zakat)
  3. Das Fasten im Monat Ramadan
  4. Die Pilgerfahrt

Sie stellen den Kern des Islam dar und sind beispielsweise in diesem Vers zusammengefasst:

Nicht darin besteht die Güte, daß ihr eure Gesichter gegen Osten oder Westen wendet. Güte ist vielmehr, daß man an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die Bücher und die Propheten glaubt und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – der Verwandtschaft, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und für (den Loskauf von) Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Abgabe entrichtet; und diejenigen, die ihre Verpflichtung einhalten, wenn sie eine eingegangen sind, und diejenigen, die standhaft bleiben in Not, Leid und in Kriegszeiten, das sind diejenigen, die wahrhaftig sind, und das sind die Gottesfürchtigen. Sure 2:177

3. Charakter und Moral – Frucht der Überzeugung und des Gottesdienst

Die religiösen Techniken und Glaubensfundamente haben laut islamischer Philosophie eine Funktion. Der Koran drückt diese so aus:
„Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.“[21:107]

Und der Prophet sagt dazu:  »Ich bin entsandt worden, um die Tugenden zu vervollkommnen.«“ (Ha). [SUN:690]

Der Zusammenhang zwischen einer gelebten Religiosität und einem guten Charakter bzw. Moral wird vielfach vom Koran und vom Propheten betont und verankert.

Sowohl der Koran als auch der Prophet warnen uns davor das Band zwischen diesen reißen zu lassen. Weder rettet ein Glaube ohne gute Handlungen, noch können gute Taten die aus berechnenden oder sozialtaktischen Gründen getan wurden, als wahrhaft gütig angesehen werden.

Mehr zu diesem Thema hier…

4. Handlung und Partizipation

Die Überzeugung an die Verantwortlichkeit des Menschen soll darüber hinaus zu einem positiven Beitrag des Menschen in der Welt führen (Stichwort: Gute Taten)

Sein Auftrag als Statthalter Gottes (Khalifa) ist ganz konkret auch zur Erbauung und Fortschritt auf der Erde beizutragen, das Universum zu erforschen und die Zielkonflikte zwischen den verschiedenen Grundwerten auszubalancieren.

Sag: Reist auf der Erde umher und schaut, wie Er die Schöpfung am Anfang gemacht hat. Hierauf läßt Allah die letzte Schöpfung entstehen. Gewiß, Allah hat zu allem die Macht.  Sure 29:20

5. Bildung und Vermittlung

Der Islam stellt hohe Ansprüche an unsere (Selbst)-reflexion.
Es gilt ständig zu erforschen und zu diskutieren, was ein gutes Leben in der aktuellen Zeit und Ort ausmacht und die ethische Entwicklung mit dem technischen und gesellschaftlichen Fortschritt Schritt halten zu lassen.
Keinesfalls darf der Islam zu bloßen Ritualen oder hergesagten Formeln verkommen. Man darf auch nicht zulassen, dass der Mensch ob der Religion aus dem Fokus gerät, denn es gilt, dass die Religion für den Menschen da ist und nicht umgekehrt.

Dies alles bedarf einer hohen Forschungs-, Ausbildungs- und Beziehungsleistung zur muslimischen sowie nichtmuslimischen Gesellschaft. Jeder Muslim ist aufgerufen hier seinen Teil beizutragen.

Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht. Sure 3:104

6. Spiritualität, Gottesbewußtsein und Aufrichtigkeit

All die oben beschriebenen Wirkungsbereiche bilden Ringe um den Kern der Botschaft und werden, um ein Bild zu verwenden, zu dreidimensionalen Sphären durch die tiefe Reinigung und Emporentwicklung des Herzens:

  • Der Muslim darf die Gottesdienste nur um Gottes Willen machen und nicht um Ruhm, Anerkennung oder Ehre zu ernten. Schrittweise muss sich diese notwendige Aufrichtigkeit auf alle anderen Kreise ausbreiten, bis dass der Muslim so ein tiefes Gottesverständnis und – beziehung hat, dass im Idealfall JEDE seiner Handlungen um Gottes Willen ist bzw. im Namen des Guten, Barmherzigen, Wahren, Gerechten usw. geschieht.
    Hier sprechen Muslime von der Tiefe, die Gott in das Herz des Menschen eingedrungen ist.

Sprich: „Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.[6:162] Er hat niemanden neben Sich. Und so ist es mir geboten worden, und ich bin der Erste der Gottergebenen.“[6:163]

  • Um das zu erreichen ist aber zunächst Voraussetzung, Gottes zeitliche Präsenz im Herzen zu entfalten, so dass der Mensch Gottes IMMER bewusst ist. Der Koran und der Prophet geben uns dafür zahlreiche Techniken zur Ausbildung zur Hand.
    Hier sprechen Muslime von der dauerhaften Präsenz und Ehrfurcht vor Gott.

In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen, die Allahs stehend, sitzend und auf der Seite (liegend) gedenken und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: „Unser Herr, Du hast (all) dies nicht umsonst erschaffen. Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers. Sure 3:190 und 191

Auf diese Art und Weise bildet der Islam eine Lebensweise, die der Vervollkommnung aller menschlichen Kräfte gewidmet ist.